Mitglieder der Jugendkirche wollen in der Fastenzeit nicht lügen

Die Jugendkirche des Dekanates Selters „Way to J“ lässt sich in diesem Jahr auf eine ganz besondere Fastenaktion ein: Die jungen Leute wollen sieben Wochen lang nicht lügen. Keine Schummelei, keine Notlüge, kein Beschönigen, nichts. Katharina Isack, Teresa Hahnel und Matthias Marschall (Foto, von links) sind drei der insgesamt rund 20 Jugendlichen, die sich auf das Experiment einlassen. Ein Experiment, das wahrscheinlich eine ganz harte Nummer wird.
Die kleinen Übertreibungen
Schließlich sind es nicht die großen Lügen, die den jungen Leuten Sorgen machen. „Es sind diese kleinen Übertreibungen, mit denen ich oft unbewusst Dinge ausschmücke, damit sie noch einen Tick spektakulärer klingen“, sagt die 21-jährige Teresa Hahnel. „In Gesprächen passiert mir das auch oft: Wenn ich eigentlich eine andere Meinung als mein Gegenüber habe, sage ich manchmal ,Du hast recht', um einer unangenehmen Diskussion aus dem Weg zu gehen. Oder die klassische Restaurantfrage: ,Hat's geschmeckt?'. Wie oft ich da schon nicht die Wahrheit gesagt habe...“
Herausforderung und Chance
Die kommenden Wochen werden also eine Herausforderung. Für Matthias Marschall bedeuten sie aber auch eine Chance. Denn er glaubt, sich durch die Aktion besser kennenzulernen. „Es geht darum, uns zu hinterfragen, warum wir überhaupt lügen. Schließlich verraten Lügen eine Menge über uns selbst. Deshalb hoffe ich, dass wir in den kommenden sieben Wochen gleich mehrere Dinge erreichen: Sowohl die Wahrheit zu sagen als auch herauszufinden, warum wir lügen und wo es uns besonders schwerfällt, es nicht zu tun. Das Wichtigste ist eben nicht, uns sieben Wochen lang zu kasteien, sondern den Dingen in uns auf den Grund zu gehen. Denn nur so können wir es auch nach dieser Zeit schaffen, weniger zu lügen.“
Konflikten nicht aus dem Weg gehen
Auch Katharina Isack sieht die Fastenzeit nicht als Prüfung, sondern eher als Chance, an den eigenen Schwächen zu arbeiten. „Mir steht oft meine eigene Bequemlichkeit im Weg“, gibt sie zu. „Ich lüge, um Konflikte zu vermeiden, was für den Moment zwar angenehm ist, aber letztlich dazu führt, dass man nicht mehr zu seiner Meinung steht. Ich hoffe, dass mir in den nächsten Wochen noch einmal ganz neu bewusst wird, welche Dinge mir so wichtig sind, dass ich für sie auch dann einstehe, wenn's unangenehm wird.“
Aktion beeindruckt
Dass diese Art der Ehrlichkeit letzten Endes der richtige Weg ist, zeigen die Gespräche, die die Jugendlichen mit ihren Freunden über das Thema führen. Die Fastenaktion beeindruckt – auch Menschen außerhalb der Jugendkirche, die ebenfalls mitmachen wollen. „Zudem haben wir einen christlichen Hintergrund“, sagt Matthias Marschall. „Natürlich sind wir Menschen, die nicht perfekt sind und es auch nie sein werden. Aber wir wollen nach dem Guten streben und versuchen, Dinge zu verbessern. Diese sieben Wochen sind für uns eine Chance, das zu tun – sowohl bei uns selbst als auch gegenüber unserem Nächsten. Die Fastenaktion soll zeigen, dass wir es mit unserem Glauben ernst meinen.“ (bon)
Hintergrund:
„7 Wochen ohne“ ist eine Fastenaktion der Evangelischen Kirche, an der sich die Dekanatsjugendkirche zwar beteiligt, das Thema aber selbst wählt. In den vergangenen Jahren haben die Jugendlichen sieben Wochen lang auf Dinge wie Alkohol oder Schokolade verzichtet und am Ende der Fastenzeit Geld an die Westerwälder Tafel gespendet. 400 Euro kamen pro Jahr durchschnittlich zusammen. Die aktuelle Aktion ist die erste, in der fast sämtliche Mitglieder der Jugendkirche auf die gleiche Sache verzichten – auf das Lügen. Auch in diesem Jahr sammeln die Jugendlichen wieder Spenden, die abermals an die Tafel gehen. |