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Pfarrer verleiht der Jahreslosung Flügel

Christian Hählke komponiert seit 1987 Lieder aus Bibelversen

Der Februar ist für Christian Hählke ein aufregender Monat. Denn dann erfährt er, welchen Bibelvers die „Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen“ (ÖAB) zur Jahreslosung 2015 küren wird. Und dann beginnt für ihn wieder die Arbeit an einem Projekt, das ihm neben seiner Tätigkeit als Gemeindepfarrer in Höchstenbach ganz besonders am Herzen liegt: Seit den 1980er-Jahren komponiert Hählke zu jedem biblischen Jahresmotto ein Lied – natürlich auch für das aktuelle, das in Vers 9 des zwölften Kapitels im Zweiten Korintherbrief steht: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“.


Da die ÖAB die Jahreslosungen immer drei Jahre im Voraus aussucht, hat Hählke den Vers schon 2009 vertont. Und um dem Text gerecht zu werden, bediente sich der Pfarrer einiger harmonischer Kniffe: Der Refrain wird von einer dunklen Moll-Harmonik getragen. „Die Schwachheit, von der im Text die Rede ist, lässt sich damit gut ausdrücken“, findet der Komponist. Erst in den Strophen, in denen er dem Zuhörer Gottes Kraft und Liebe verspricht, erklingen plötzlich heitere Dur-Akkorde. Ein ungewöhnlicher Wechsel. Aber kein unsingbarer: „Wenn ich komponiere, habe ich die Gemeinde, die Frauenhilfe oder meinen Gitarrenkreis vor Augen. Ich achte also darauf, dass die Stücke nicht zu kompliziert sind, sondern sich den Menschen sofort erschließen.“

Indonesischer Text

Gesungen werden die Jahreslosungslieder zum Beispiel an den Silvestergottesdiensten der Höchstenbacher Gemeinde, in denen sie seit Jahren ihren festen Platz haben. Allerdings sind viele der 25 bisher veröffentlichten Stücke auch über die Grenzen des Westerwaldes hinaus bekannt. Die Kompositionen wurden schon mehrfach abgedruckt – etwa von der Deutschen Bibelgesellschaft oder der Vereinigten Evangelischen Mission. „Einige der Jahreslosungslieder  haben's sogar bis nach Indonesien geschafft“, sagt Hählke lächelnd: Die Kirburger Missionarin Elisabeth Steinhard hat einige der Kompositionen ins Indonesische übersetzt und mit auf die Reise nach Fernost genommen.

Lieder im XXL-Format

Wie Christian Hählke auf die Idee kam, die Jahreslosungen zu vertonen, weiß er nicht mehr. Doch von den seit 1987 entstandenen Liedern hat er bis heute kein einziges vergessen. Im Laufe der Jahre hat er jedes von ihnen ausgedruckt und an das nächste geklebt, sodass mittlerweile ein beeindruckendes, mehr als fünf Meter langes Leporello entstanden ist – sozusagen ein Gesangbuch im XXL-Format. Und eine gute Übersicht darüber, wie sich Hählkes Arbeitsweise im Laufe der Jahre verändert hat. Die ersten Noten waren noch mit Tusche und Folie gesetzt, heute komponiert Hählke ausschließlich am PC. Eine Gitarre braucht der musikalische Pfarrer mittlerweile auch nicht mehr: „Die Töne und Akkorde sind alle in meinem Kopf.“

Das Herz erreichen

Ob es das aktuelle Jahreslosungslied „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ auch wieder in die überregionalen Printmedien oder gar bis nach Indonesien schafft, weiß Christian Hählke nicht. „Ich habe letztlich keinen Einfluss darauf, welche Kreise es zieht“, sagt er. „Für mich ist es einfach ein wichtiger Teil meiner Verkündigung. Denn ein Text spricht den Verstand an. Ein Lied berührt das Gemüt. Und wenn Worte mit Noten verbunden werden, bekommen sie Flügel und fliegen noch weiter. Vielleicht bis zu den Herzen der Menschen...“ (bon)

Zum Hintergrund

Jedes Jahr wählt die „Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen“ eine sogenannte Jahreslosung aus – eine Bibelstelle, die Christen als eine Art Leitvers durch das Jahr führen soll. Die erste Jahreslosung wurde 1934 veröffentlicht. Sie wird allerdings nicht (wie bei der Herrnhutter Brüdergemeine) ausgelost, sondern per Mehrheitsentscheid bestimmt. (bon)