Viele Besucher bei den Konzerten der Montabaurer Kantorei

Mit den zwei großen Chor- und Orchesterkonzerten des Evangelischen Dekanatskantorates Selters hat die Montabaurer Kantorei traditionell zur musikalischen Vorbereitung auf den Advent eingeladen. Mit sehr unterschiedlichen Chor- und Orchesterwerken aus dem 16. bis ins 21. Jahrhundert nahm die Kantorei ihre Gäste mit auf eine vorweihnachtliche Reise durch die Musikgeschichte. Zwei Konzerte, die die Zuhörer in der Evangelischen Nikolaikirche von Alsbach und der Montabaurer Pauluskirche begeisterten.
„Das Jahr der Kirchenmusik unserer Landeskirche nehmen wir dabei bewusst zum Anlass, die Geburt Jesu musisch zu meditieren“, erklärt Dekanatskantor Jens Schawaller als künstlerischer Leiter der Konzerte. Mit dem bekannten Chorsatz „Tochter Zion, freue dich“ von Georg Friedrich Händel – durch eine zukomponierten Ober- und Paukenstimme erweitert – begannen die beiden Adventskonzerte. Nach der anschließenden Begrüßung durch den Präses des Evangelischen Dekanates Selters und langjährigem Kantoreimitglied Michael Holger Müller erlebten die Zuhörerinnen und Zuhörer einen rundherum festlichen Konzertabend. Die Montabaurer Kantorei erfüllte gemeinsam mit dem Quintett des Diezer Instrumentalensembles – es musizierten Almut Wenzel, Cornelia Heppner, Erhard Köhler, Liv Steinebach (als Gast), Isabel Walter (Solo) und Rudolf Creutzburg –, mit dem Spiel der Pauken (Susanne Schawaller) und dem Klang der wertvollen Truhenorgel (Susanne Schawaller und Fabio Schnug) die beiden Westerwälder Kirchen mit lebendiger Musik.
Kirche geht in Klang auf
Zu den Besonderheiten der Konzerte der Montabaurer Kantorei – sie ist der Kammerchor des Evangelischen Dekanates Selters – gehört es, ausgiebig mit allen Anwesenden zu musizieren. „Es ist eine tiefbewegende Erfahrung, wenn eine voll besetzte Kirche ganz in Klang aufgeht“, freut sich Schawaller angesichts der gewaltigen Klangfülle. Mit Johann Sebastians Bachs Chorsatz über „Wachet auf ruft uns die Stimme“ erklang ein weiteres Werk für die große Besetzung, das seine liturgische Position zwischen Ewigkeitssonntag und Advent hat.
Kontrastreich und differenziert
Mit der bekannten Partita für gemischten Chor über „O Heiland, reiß die Himmel auf“ von Johannes Brahms interpretierte die Montabaurer Kantorei gekonnt uns stilsicher ein Stück Weltliteratur in romantischer Tonsprache. Zu Jochen Kleppers und Johannes Petzolds Lied „Die Nacht ist vorgedrungen“ improvisierte Dekanatskantor Jens Schawaller gekonnt auf der jeweiligen Denkmalorgel und begleitete die anwesenden Singenden kontrastreich und differenziert. Als eine weitere Partita über das Adventslied „Nun komm, der Heiden Heiland“ – diesmal für Orgel solo – erklang eine Sammlung von fünf unterschiedlichsten Kompositionen aus der Feder des Thomaskantors Johann Sebastian Bachs, die allesamt durch die fünf Strophen des Gemeindegesang der Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher gegliedert wurden.

Klangschönes Ensemble
Daran schloss sich eine eigens für diese Adventskonzerte von Jens Schawaller komponierte Choralfantasie für Streichorchester über „Nun komm, der Heiden Heiland“ und „Gottes Sohn ist kommen“ an, die das Quintett des Diezer Instrumentalensembles spielfreudig uraufführte. Mit dieser Gruppe musizierte traditionsgemäß ein sowohl klangschönes als auch bewegliches Ensemble. Mit einer abwechslungsreichen Partita für vierstimmigen Chor über das Weihnachtslied „Gelobet seist du, Jesu Christ“ erklangen poly- und homophone Werke von Johann Walter, Georg Polarus, Kaspar Othmayr, Adam Gumpelzhaimer und Johann Sebastian Bach.
Souveräne Stimmen
Sängerisch äußerst souverän stellten sich die beiden hohen Solosoprane Monika Schlößer und Angelika Wies in einer Magnificatvertonung von Georg Philipp Telemann der Öffentlichkeit vor. Von ganz besonderer Güte wirkte hierbei das Continuo: Mit Isabel Walter als Violoncellistin und Susanne Schawaller an der Truhenorgel musizierten zwei virtuose Vollblutprofis, die die Gesangssolisten auf Händen durch das Werk trugen und sich musikalisch die Bälle gegenseitig zuwarfen.
Festlicher Abschluss
Nach dem Vater-Unser und dem Segensspruch der jeweiligen gastgebenden Pfarrer – Hartmut Failing in der Nikolaikirche in Alsbach und Johannes Seemann in der Pauluskirche in Montabaur – erklang noch einmal musikalischer Jubel aller Musikerinnen und Musiker im gemeinsamen Gesang aller Anwesenden über „Wie soll ich dich empfangen“, der die beiden Konzerte festlich beschloss. „Ohne die tatkräftige Unterstützung des Evangelischen Dekanates Selters und des Fördervereines der Montabaurer Kantorei Musica Sacra e. V. könnten wir solch große Konzerte bei freiem Eintritt nicht anbieten – freuen wir uns also, dass wir es können!“, erklärt Dekanatskantor Jens Schawaller. „Auch, dass die EKHN als unsere Landeskirche – und mit ihr das Evangelische Dekanat Selters – das kirchliche Musizieren aller Ehren-, Neben- und Hauptamtlichen unserer Region durch das Jahr der Kirchenmusik so engagiert würdigt und fördert, gibt uns besonderen Grund zur Freude.“ Die anwesenden Gäste dankten allen Musizierenden mit einem langen Applaus. |