Start » Archiv » Nächstenliebe im Schuhkarton verpackt
 

Newsletter





Nächstenliebe im Schuhkarton verpackt

Montabaurer Pfarrhaus ist Sammelstelle für Weihnachtsaktion

In Claudia Seemanns Montabaurer Wohnung türmt sich der sprichwörtliche Geschenkeberg. Allerdings sind die hübsch geschmückten Pakete nicht für ihren eigenen Gabentisch bestimmt, sondern haben noch eine lange Reise vor sich: Claudia Seemann organisiert und koordiniert in Montabaur „Weihnachten im Schuhkarton“ - die weltweit größte Geschenk-Aktion für Kinder in Not.

 

4439 Annahmestellen in Deutschland

Die Kreisstadt ist freilich nur eine von deutschlandweit 4439 Annahmestellen, in denen die Bürger ihre in Schuhkartons verpackten Weihnachtsgrüße abgeben können. Genug zu tun haben die Frau des Montabaurer Pfarrers Johannes Seemann und ihre Helfer aber trotzdem. Denn ihr Heim – das Pfarrhaus der Evangelischen Pauluskirche in der Koblenzer Straße – ist nicht nur Annahme-, sondern auch Sammelstelle. „Das bedeutet, dass wir nicht nur die Pakete der Leute entgegennehmen, sondern sie auch öffnen, den Inhalt kontrollieren, sie zollfertig machen und nach dem 15. November in den LKW verladen, der sie dann ins jeweilige Bestimmungsland bringt“, erklärt sie.

 

Kriegsspielzeug ist tabu

Eine Arbeit, die notwendig ist. Denn wegen mitunter recht strikter Einfuhrbestimmungen in Ländern wie Rumänien, Weißrussland oder Serbien darf längst nicht jedes der gutgemeinten Präsente auf die Reise: Kriegsspielzeug, gebrauchte Kleidung oder Nussschokolade sind ebenso tabu wie Seife, Medikamente oder batteriebetriebene Geräte. Was freilich kein Problem ist, sind Geldgeschenke. „Auf Wunsch stellen wir dafür auch eine Spendenquittung aus“, sagt Claudia Seemann.

 

Schöner Kontakt nach Weißrussland

Zurzeit ist der Aufwand für sie und ihre etwa zehn Helfer indes noch überschaubar. Pro Tag trudeln ein, zwei Pakete im Pfarrhaus ein. Richtig zur Sache geht’s dann eine Woche vor dem Annahmeschluss am 15. November, wenn mehrere Dutzend Päckchen täglich reisefertig gemacht werden müssen. „Aber das ist schon in Ordnung“, sagt die Organisatorin. „Schließlich ist es eine schöne und zeitlich überschaubare Arbeit, die zudem den Blick erweitert: Meine Kinder machen ebenfalls mit, und sie entwickeln dadurch eine ganz neue Einstellung zum Helfen und Teilen.“ Und es ist eine Aktion, bei der enge Beziehungen entstehen können: „Vor einigen Jahren haben wir unsere Adresse in ein Päckchen beigelegt und bekamen prompt Antwort von einer Familie aus Weißrussland. Inzwischen hat sich eine Freundschaft zu ihnen entwickelt.“

Claudia Seemann mit den hübsch verpackten Schuhkartons. Foto: Peter Bongard

 

Jeder kann helfen

Mitmachen kann bei „Weihnachten im Schuhkarton“ wirklich jeder: „Alles, was man braucht, ist einen Schuhkarton, den man mit hübschem Papier beklebt sowie das Etikett unseres Flyers, auf dem die Altersgruppe markiert wird und auf dem steht, ob das Geschenk für ein Mädchen oder einen Jungen sein soll“, erklärt Claudia Seemann. „Dann kann der Karton mit Geschenken und – wenn man will – sechs Euro für den Versand gefüllt und in einer Annahmestelle abgegeben werden.“
Welche Höhe der Berg in Claudia Seemanns Wohnung letztlich erreicht, weiß sie freilich noch nicht. „Ich mache es in Montabaur in diesem Jahr zum ersten Mal“, sagt sie. „Aber wir hoffen, dass rund 150 Schuhkartons für den guten Zweck zusammenkommen.“ (bon)

 

Im Detail: Weihnachten im Schuhkarton

Die Geburtsstunde der Aktion schlug 1990: Damals gingen die ersten Päckchen aus Wales an Waisenkinder nach Rumänien. Heute werden in 115 Ländern 8,2 Millionen Kinder beschenkt. Träger der Aktion ist Samaritan's Purse, in Deutschland wird sie vom christlichen Verein „Geschenke der Hoffnung“ betreut. 2011 werden aus der Bundesrepublik, Österreich und der Schweiz mindestens 560.000 Päckchen auf die Reise nach Weißrussland, Bulgarien, Georgien, Kosovo, Moldau, Mongolei, Polen, Rumänien, Serbien, die Slowakei, Kasachstan und in die palästinensischen Gebiete gehen. „Geschenke der Hoffnung“ legt Wert darauf, dass bei den Verteilungen keinerlei Manipulation stattfindet, sondern die Geschenke in Liebe, Würde und ohne Vorteilsnahme den Ärmsten der Armen abgegeben werden. Mehr Informationen gibt’s bei Claudia Seemann unter Telefon 02602/90922 oder im Internet unter www.geschenke-der-hoffnung.org