„Traditionen bewahren und Neues wagen“
Gekleidet wie in den 30iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts haben zahlreiche Frauen und Männer den Jubiläumsgottesdienst der evangelischen Frauenhilfe Kirburg besucht. Anlass war das 80jährige Jubiläum einer der ältesten evangelischen Frauengruppen im Dekanat Bad Marienberg. Die Frauen treffen sich alle 14 Tage in Kirburg, Langenbach, Lautzenbrücken, Mörlen, Neunkhausen und Norken.
Was war über die 8 Jahrzehnte wichtig?
Mit einem Anspiel in der Kirche zeigten die Frauen symbolisch, was ihnen in ihrer Arbeit über die 8 Jahrzehnte wichtig war. Sie trugen eine Bibel; eine Weltkugel, die die Weltgebetstage repräsentierte; eine Socke, die an das stetige Stricken, früher für Kriegsgefangene, heute für gemeinnützige Zwecke, erinnern sollte; ein Kaffeegedeck für Geselligkeit und Gemeinschaft und ein Seil, das die Verbundenheit untereinander zeigte, zusammen.
Frauenarbeit war stetem Wandel unterworfen
Im Jahre 1931 gegründet, war die Frauenhilfe Kirburg, später unbenannt in Evangelische Frauen Kirburg, einem steten gesellschaftlichen Wandel unterworfen. Zunächst bestand die Frauenhilfe unter stattlicher Leitung. Nach der Barmer theologischen Erklärung in 1935 trennte sich jedoch die evangelische Frauenhilfe von der staatlichen Frauenhilfe und stellte sich unter eine ausschließlich kirchliche Leitung. Die Barmen Erklärung fasst Grundsätze des evangelischen Glaubens zusammen.
Glaubhaft Leben und Handeln
Mit diesen Grundsätzen richteten sich die Vertreter der Bekennenden Kirche gegen die uneingeschränkten Machtansprüche des NS-Staates und Hitlers über die Kirche. „Das hat auch hier Menschen aufgerüttelt“, sagte Elisabeth Steinhard von der Dekanatsfrauenarbeit. Sie predigte zum Jubiläumsgottesdienst in Kirburg über 1. Timotheus 1,7: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Sie erinnerte die Frauen daran, dass sie sich in der Frauenarbeit immer wieder fragen mussten, wie sie glaubhaft Leben und Handeln sollten. Auch heute müssten die evangelischen Frauen an ihrem Profil arbeiten; sich bei gesellschaftlichen Themen fragen: „Sehen wir weg oder sehen wir hin?“ Ein eigens zusammengestellter Chor aus den Frauen der sechs beteiligten Ortschaften begleitete den Gottesdienst musikalisch.
Hülpüsch: "Traditionen bewahren und Neues wagen."
Im Anschluss an die Predigt gratulierte Petra Hülpüsch, Referentin der evangelischen Fraueneinarbeit in der Propstei Nord Nassau den Kirburger Frauen. Sie sei beeindruckt, wie Frauen sich über 8 Jahrzehnte für die Gemeinde und füreinander engagieren, sagte Hülpüsch. Sie wünsche, dass es ihnen gelingen möge, ihre Traditionen zu bewahren und gleichzeitig Neues, Erstrebenswertes zu wagen. Nach dem Gottesdienst waren die Gottesdienstbesucher zum Kaffeetrinken mit kleinem Rahmenprogramm ins festlich geschmückte Gemeindehaus eingeladen. Dort konnten sich die Gäste auch an Stellwänden mit Fotos über die Frauenarbeit in Kirburg gestern und heute informieren.(shg)
|